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Patagonien – Das weite Land

  • Patagonien

    Das weite Land

Photo & Text Joe Haider

Patagonien

Eine Million Quadratkilometer und keine einzige Erhebung auf die es auch nur halbwegs lohnen würde, ein Gipfelkreuz aufzustellen. Natürlich sind da noch die Anden im Westen, die die Grenze zu Chile bilden, aber die gehören nur deswegen zu Patagonien, weil man zu faul war, dieser Gegend einen eigenen Namen zu geben. Weite, endlose Weite. Und Schafe - viele Schafe. 30 Millionen um genau zu sein. Zehn mal mehr, als es hier Einwohner gibt. Eigentlich ist dies kein Ort zum Leben und der Mensch ist hier nur der Meister und Diener einer ungeheuren Herde. Aber noch etwas ist hier. Dies hat schon Charles Darwin erkannt, für den dieser Teil Argentiniens der Beeindruckendste auf all seinen Reisen war. Irgendetwas existiert hier, weil alles andere nicht existiert. Nur weil alles andere fehlt, ist es bemerkbar.

" Sieh dir diesen Fuchs an!"

Juan deutet auf das erstarrte Tier, das nur wenige Meter von uns entfernt steht und auch beim Näherkommen keine Angst zeigt. Das Phänomen Mensch scheint ihm unbekannt zu sein. " Wenn er eine Kamera besäße, hätte er wohl einen Schnappschuß von uns gemacht ", meint mein Begleiter lachend und deutet auf meine Ausrüstung. Er lässt den letzten Rest unseres Trinkwassers in den heißen Kühler laufen, schlägt die rostschutzfarbene Motorhaube wieder zu und klettert hinter das Lenkrad seines altertümlichen Pick-Ups. Fahren auf diesen staubigen Pisten macht durstig aber zum Trinken verwendet man hier nur dann Wasser, wenn der Wein ausgegangen ist. Verkehrskontrolle ist hier ein Fremdwort. Es gibt nicht einmal Verkehr. Seit unserer Abfahrt in Punta Arenas ist uns erst ein Auto entgegengekommen. Die Zöllner an der chilenisch argentinischen Grenze waren sicher auch nicht mehr ganz nüchtern. Was, außer saufen soll man sonst machen? Hier - mitten im Nichts.

Drei Stunden später erreichen wir endlich seine Farm. „La Esperanza“ - die Hoffnung steht auf dem geschnitzten Schild vor dem einfachen schmucklosen Bau, dem einige verkrüppelte Bäume notdürftigen Schatten spenden. Dazu noch ein großer Schuppen und ein Windrad, das für Strom und Wasser sorgt. Bei uns wäre Juan mit seinen 12.000 Hektar Großgrundbesitzer. Nicht so hier. Ein Schaf pro Hektar rechnet man. Also gerade genug um seine Familie und die beiden Landarbeiter zu ernähren. Argentinien quält sich zwar gerade wieder mal aus einer Wirtschaftskrise, aber der Wollpreis ist noch immer im Keller. Das Leben ist hart und die kargen Böden lassen keine Landwirtschaft zu. Reich ist man erst ab 200.000 Ha. So wie einer seiner Nachbarn, dessen Estancia eine Fläche, fast so groß wie Vorarlberg einschließt.

"Su casa! (dein Haus)" begrüßt mich seine kleinwüchsige Frau mit einer Herzlichkeit als sei ich nicht ein zufällig aufgegabelter Autostopper, sondern ein langjähriger Freund der Familie. Der netten Begrüßung folgt sogleich ein Abschied und ein fetter Hammel tritt seine Reise in den Schafhimmel an. Fleisch als Vorspeise, Hauptgang und Dessert. Auch wenn man sonst nichts mehr hat - Fleisch ist immer da. Noch immer gilt ein altes Gesetz nach dem jeder Hungrige ein fremdes Schaf schlachten kann. Solange man die wertvolle Haut zurücklässt, gilt dies nicht als Diebstahl. Im riesigen Patagonien leben so wenige Menschen, dass man jedem Gast gerne die Türen öffnet. Sogar ”öffnen muss, denn es gibt weit und breit keine andere. Wie Schiffe schwimmen in diesem staubigen Meer die Farmen. Und wie Schiffe haben sie auch Namen unter denen sie im Umkreis von hunderten Kilometern bekannt sind. Telefone gibt es selten und der nächste Nachbar ist einige Reitstunden entfernt. Noch mal soweit ist es bis zum nächsten Handynetz.

Die beiden Kinder sind mit meinem Walkman beschäftigt und ich sitze mit dem Rest der Familie am runden Tisch und trinken Mate´. Kaum etwas ist so typisch für Argentinien, wie dieser, aus den Blättern des Yerba-Strauches hergestellte aromatische Tee. Dem Brauch gemäß wandert der Becher mit diesem gewöhnungsbedürftigen Gebräu von Mund zu Mund. Ich erzähle von meinem Land und das offene Feuer vertreibt die Kühle der Nacht.

Wir haben jetzt Spätsommer, die meiste Arbeit auf der Farm ist getan. Schade, dass ich die Schur verpasst habe. Dieses Spektakel ist wirklich sehenswert. Besonders erstaunlich ist es, mit welcher Geschicklichkeit die nicht gerade zarten Arbeiterhände so ein Tier, das vorher fast unter seiner Wolle verschwand in etwas mehr als zwei Minuten bis auf die Haut abzurasieren. Die geschorene Wolle sieht aus wie ein weggelegter Pullover. Einmal beobachtete ich einen alten Mann mit speckigem Filzhut, der seinen Enkel anlernte. Das nachlassende Augenlicht nahm dem Alten die Sicherheit, die dem Jungen noch fehlte. Solange den quiekenden und blutenden Opfern der Vlies noch nicht nachgewachsen war, konnte man auf dem ganzen Gebiet der Farm deren Arbeit erkennen.

Die nächsten beiden Tage helfe ich mit, Schafe für einen Transport zusammenzutreiben. Aber leider steht der gute Wille noch in keinem Verhältnis mit meinem Können. Zumindest trage ich mit meinen Bemühungen zur Unterhaltung der Peones (=Landarbeiter) bei. Die meiste Arbeit erledigen sowieso die zotteligen Hunde, die durch kurze Pfiffe dirigiert, die Herde zusammenhalten. Der Abschied kommt, als der Viehtransporter eintrifft, der mich und die Tiere in die nächste Stadt bringen soll. Der beleibte Fahrer mit seinem dreckigen Unterhemd sitzt hinter dem Steuer, wie ein Buddha auf seinem Thron. Gemeinsam beobachten wir schweigend, wie der allgegenwärtige Staub, Horizont, Himmel und Erde in ein Sepia-Bild verwandelt.

In Rio Gallegos, der südlichsten Ortschaft Patagoniens, sehe ich unsere Fracht die letzten Schritte tun - vom Lastwagen bis in den Schlachthof. Ich folge den Schafen zu einem irreal wirkenden Schauspiel. Im Nebel fein versprühtem Wassers arbeiten stumm stehend, etwa zehn stämmige Männer in gelben Gummimänteln. Aus dem Radio im Eck tönen südamerikanische Rhythmen wie aus einer anderen Welt. Die feuchtigkeitsgeschwängerte Luft schluckt die Höhen und die Musik wirkt seltsam dumpf und makaber. Das Lied erzählt von den Freuden der Liebe und ein Schaf stößt einen klagenden Todesschrei aus, der abrupt abbricht. Zwei schnelle Schnitte - die Gurgel ist durch und der Kopf ab. Eine Textzeile weiter - und die Ausscheidungen des kopflosen Tieres entleeren sich auf einen Boden voller Blut und Scheiße.

Mir reicht´s. Ich flüchte, als wäre ich das nächste Opfer gewesen. Den Gestank in der Nase, den Anblick noch immer vor Augen wandere ich durch die Stadt. Jedes Gebäude, jeder Häuserblock sieht gleich aus. Alles erscheint wie tot und ausgestorben. Sogar die Kinder wirken ernst und den Frauen, kurz und dick, fehlt jede Grazie. Ihre Männer versammeln sich jeden Abend im britischen Club. Dort rieselt der Verputz von der Decke und alle reden nur von Schafen.

Wie ganz Patagonien, so ist auch die Piste nach Calafate. Wild, brettereben und voller Löcher. Manchmal besteht sie aus Asphalt, meistens aus Rollsplitt und streckenweise ist sie fast nicht mehr als Straße zu erkennen. Ich sehe auf dieses Nichts von Landschaft und höre dabei Musik von Pink Floyd . Sechs Stunden braucht der Bus für 320 Kilometer. Immer nach Westen, den Anden und der untergehenden Sonne entgegen. Endlich taucht der tiefblaue, wie ein Diamant leuchtende, Lago Argentino auf. Hier an diesem See befindet sich eines der argentinischen Naturwunder. Ein `must´ für jeden Touristen - Perito Moreno. Der „Anblick des drei Kilometer langen und 80 Meter hohen Gletschers garantiert jedem Fotolabor Umsatzsteigerungen. Ein riesiger Damm aus weißblauem Eis schiebt sich immer weiter nach vor und schneidet schließlich einen Arm des Sees ab. Der Wasserdruck auf einer Seite beginnt zu steigen und lässt diese gigantische Mauer wieder einstürzen. Dies geschieht leider nur im Vierjahresrhythmus, aber sogar auf Film konserviert läßt dieses Schauspiel ehrfürchtig erschauern.

Ein Schlauchboot bringt mich auf die andere Seite des Sees. Weg von den Würstelbuden, Restaurants und Souvenierständen. Dorthin wo die Welt noch in Ordnung, die Natur unberührt ist. Von dort kann man auch, ausgerüstet mit Pickel und Steigeisen, dieser eisigen Pracht einen näheren Besuch abstatten. Eigentlich ganz einfach, so als wär´s eine Treppe, klettert man auf diesen Panzer, der vor Jahrmillionen noch weite Teile unseres Planeten bedeckt hat. Steigungen bis 60ø sind kein Problem und je weiter man hinaufkommt, desto bizarrer wird die Umgebung. Mächtige Eisdome, so hoch und spitz wie gotische Kathedralen. Gletscherspalten, die im intensivsten Blau der Welt leuchten. Kleine Fluál„ufe und Wasserfälle haben sich in ihnen gebildet und seltsame, organisch wirkende, Formen ausgewaschen. Einzig der Wind stört meine Euphorie. Winzige Eiskristalle treffen mich wie kleine Geschoße, wie in der Absicht mein Weitergehen zu vereiteln. Ab und zu spüre ich jetzt auch einen kräftigen Ruck, wenn das nachschiebende Eis einen Hohlraum zusammenpresst oder eine neue Spalte öffnet. Wehe dem, der da hineingerät.

Lange noch sitze ich vor meinem Zelt und betrachte den Gletscher, der in den letzten Sonnenstrahlen abweisend wie eine Festung wirkt. Manchmal lösen sich hausgroße Stücke und fallen mit einem ohrenbetäubenden Knall ins irisierend-blaue Wasser. Später - schon längst Nacht sitze ich noch immer da. Das Eis scheint das Tageslicht gespeichert zu haben und phosphoriziert in der Dunkelheit. Ich muss an einen echten österreichischen Prinzen denken, der sich einst hier niedergelassen hat. Erzherzog Johann Salvador von Habsburg brach hier unter dem Namen Johannes Orth mit seiner Vergangenheit. Total isoliert, nur mit seinen Pferden und Schafen als Hofstaat, fand er hoffentlich bei diesem majestätischen Anblick den Frieden, den er im Intrigenkabinett um die Herrschaftsfolge nicht finden konnte.

1300 Kilometer Busfahrt quer durch Patagonien. Wer dies noch nicht erlebt hat, kann es sich nicht vorstellen. Die Unterschiede zwischen Wachen und Träumen verwischen und obwohl man eigentlich nichts tut, ist man nach 27 Stunden so dreckig und fertig, als sei man die ganze Strecke zu Fuß gelaufen. Die patagonische Wüste ist zwar streng genommen gar keine, aber die Unterschiede sind nur graduell. Nicht Sand und Stein, sondern endlose Ebenen mit niedrigen Dornbüschen gesprenkelt. Nichts, das dem ermüdeten Auge Abwechslung bieten würde. Nichts, das einem aus seiner Lethargie aufrütteln könnte. Im Gegensatz zu den arabischen Wüsten hat dieser Landstrich auch nie jemand zu geistigen Höhenflügen inspiriert. Trotzdem gibt es eine Gemeinsamkeit. Den Trostpreis unfruchtbarer Länder - Erdöl. In der Nähe von Commodoro Rivadavia reiht sich ein Förderturm an den nächsten. Und hier muss ich auch den Bus wechseln. Weg von der Küste, rein ins Landesinnere.

Bei der Busstation am Dorfrand leben einige Indianer mit verschlossenen Gesichtern. Saisonarbeiter aus Chile. Sie gehören zum Stamm der Araukaner. Noch vor hundert Jahren waren sie sehr stolz und mächtig. Sie bemalten ihre Köpfe mit roter Farbe, zogen ihren Feinden bei lebendigem Leibe die Haut ab und tranken das Blut aus den Herzen der Toten. Drei Jahrhunderte hatten sie den Spaniern tödliche Angst eingejagt und jetzt stillen sie ihren täglichen Kalorienbedarf mit billigem Wein.

Da gibt es diese wahre Geschichte eines französischen Bauernsohnes der um 1900, von diverser romantischer Literatur beflügelt, nach Argentinien kam, um Kaiser von Araukanien und Patagonien zu werden. Der Zufall oder die Vorsehung wollten es, dass die Prophezeiung eines sterbenden Häuptlings der Araukaner genau auf Antoine de Tounens zutraf. Er nutzte seine Chance, vereinigte die vorher verfeindeten Stämme und macht eine Zeitlang den Argentiniern und den Chilenen das Leben schwer. Bald nannte er sich „Orlie I, König von Araukanien und Patagonien“, beschäftigte sich mit der Verfassung seines neuen Reiches und komponierte sogar eine Bundeshymne. An Selbstbewusstsein mangelte es ihm sicher nicht, als er sich an den Papst und an Napoleon III wandte, um im Ausland anerkannt zu werden. Die meisten Indianersoldaten waren aber bald von den Regierungstruppen niedergemetzelt und der König verlor sein Reich. In seinen letzten Jahren folgten feierliche Zeremonien in schäbigen Hotels und Ordensverleihungen gegen ein Abendessen. Sogar jetzt soll es noch einen Erbfolger geben - irgendwo im Pariser Exil.

Eine kleine Kirche, eine Gerberei, ein kleiner Supermarkt, ein paar Häuser und ein Gasthaus mit ein paar Zimmern. Aus. Vor der Tür warten ein paar zerzauste Kinder- ich weiß nicht worauf, und aus der Küche dringt Radiogedudel und das Geräusch von brutzelndem Fett. Die Frau des Hotelbesitzers zeigt mir mein Gemach. Stickig, türkisgrün ausgemalt und mit zwei Betten. Ein Raum ohne Fenster und die nicht verschließbare Tür führt auf den Hof. Wie auch immer. Eine andere Unterkunftsmöglichkeit gibt es nicht - in Sarmiento, dem Ausgangspunkt für meinen Trip in den versteinerten Wald.

Kaum zu glauben, dass diese in ihrer Unwirtlichkeit einmalige Landschaft, vor einigen Millionen Jahren noch üppigst bewachsen war. überall in dieser pittoresken Szenerie liegen die meterlangen Stämme, die vor langer Zeit noch Holz waren. Maserung und Astlöcher sind deutlich zu sehen. Unmöglich, sich die Gewalten vorzustellen, die zu dieser Verwandlung geführt haben. Jetzt gibt es nicht einmal mehr die Andeutung von pflanzlichem Leben. Dafür haben die Elemente aus Lehm und Sandhügeln organische Formen geschaffen. Bilder, wie von Salvador Dali gemalt. Ein perfekter Hintergrund für einen Film, der auf einen fremden Planeten spielt.

Kein Zeichen von Zivilisation, wohin man auch blickt. Schweigend essen wir Brot mit Schafkäse und trinken dazu den mitgebrachten Wein. Sicher ist dies keine Spitzenrebe und auch um etliche Grade zu warm, aber in einer Situation wie dieser ist der Geschmack nicht mehr die entscheidende Dimension des Weines. Eigenartig, es ist als ob ich Eduardo, so heißt mein Führer schon lange kennen würde. Ihn mitsamt seinen Problemen und kleinen Lastern, die ihm das Leben leichter machen und seinen Alltag ein bisschen Glanz verleihen. Die Fremdartigkeit dieser Erde löscht alle Unterschiede zwischen uns.

Eine Woche später und 600 km weiter nördlich. Ich bin auf der Peninsula Valdez, einer Halbinsel die in Form eines Hammers weit in den Atlantik hinausreicht. Mein immer grinsender Fahrer, der stets die kürzeste Verbindung von einem Schlagloch zum nächsten zu nehmen scheint, bestätigt es noch einmal. "Si, senor. Milliones de pinguinos!" Millionen von Pinguinen soll es hier also geben und dazu noch Seelöwen und Seeelefanten. Das müsste den gepfefferten Fahrpreis eigentlich wert sein, denke ich mir. Später schwächt er allerdings ab und meint, dass die beste Zeit schon vorbei sei und viele Tiere ihre Paarungsstätten schon verlassen hätten. Und für die Wale, die sich ebenfalls hier treffen, um um die Gunst der Weibchen zu buhlen, bin ich noch zu früh dran. Zumindest sehen wir schon auf der Fahrt viele Guanakos (wilde Lamaart), einige Nandus ( große Laufvögel) und tausende von den unvermeidlichen Schafen.

Kaum zu glauben, dass diese in ihrer Unwirtlichkeit einmalige Landschaft, vor einigen Millionen Jahren noch üppigst bewachsen war. überall in dieser pittoresken Szenerie liegen die meterlangen Stämme, die vor langer Zeit noch Holz waren. Maserung und Astlöcher sind deutlich zu sehen. Unmöglich, sich die Gewalten vorzustellen, die zu dieser Verwandlung geführt haben. Jetzt gibt es nicht einmal mehr die Andeutung von pflanzlichem Leben. Dafür haben die Elemente aus Lehm und Sandhügeln organische Formen geschaffen. Bilder, wie von Salvador Dali gemalt. Ein perfekter Hintergrund für einen Film, der auf einen fremden Planeten spielt.

Noch bevor wir das Meer sehen können, stehen sie plötzlich vor uns. Zuerst nur ein befracktes Pärchen, dann Dutzende, Hunderte, Tausende. Wie betrunkene Kellner taumeln sie in der Gegend herum und die aaahh und ooohh rufenden Touristen werden von ihnen gar nicht beachtet. Sonderliche Scheu scheinen diese putzigen Tierchen nicht zu kennen. Eines kommt watschelnd auf mich zu, bleibt ungefähr einen Meter vor mir stehen, schaut mich an und marschiert dann ganz nahe an mir vorbei auf eine Wohnhöhle zu. Dort scheint das Männchen, das normalerweise das Gelege hütet auf sie zu warten. Es streckt den Kopf aus dem Bau als ob es dem Partner sagen wolle, sich gefälligst nicht mit Fremden einzulassen. Am Strand versuchen einige von ihnen auf einem

glitschigen Felsen zu klettern. Sie fallen hin und stehen auf. Sie fallen wieder hin und rappeln sich wieder auf. Immer und immer wieder. Wie in einem Slapstick-Film. Dick und Doof in Patagonien. Nachdem wir uns ergebnislos nach den versprochenen Seelefanten umgesehen haben, kommt mein Fahrer ins Schwärmen. "Sieh!", meint er und deutet auf die staubverschneite Umgebung, in der nichts an den letzten Regen erinnert. "Diese Erde ist eine unbarmherzige Liebhaberin. Sie verhext. Sie verzaubert. Sie nimmt dich in die Arme und lässt dich nicht mehr gehen.". Er braucht beide Arme um mir die Weite seiner Heimat zu demonstrieren und um ein Haar wären wir im Strassengraben gelandet. Ich weiß, was er meint. Auch ich kann es spüren. Etwas existiert hier, weil alles andere nicht existiert. Etwas das bemerkbar wird, weil alles andere fehlt. Ich kann es nicht in Worte fassen, aber es ist da.

Hier in Patagonien.

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